Samstag, September 09, 2006

Der faulige Gestank der Ignoranz

Eigentlich wollte ich diese dämliche Diskussion ja vollkommen ignorieren, weil sie mich sowieso nur aufregt. Die Rede ist von der Eva-Herman-Karriere-oder-Kinder-Sache. Was mein Blut dabei am meisten in Wallung bringt ist, dass es laut dieser Debatte (wie übrigens in fast jeder Debatte zu diesem Thema), sowieso nur zwei Typen von Frauen gibt.

1) Schüchterne Hausmütterchen, die sich nicht trauen, ihrem bösen, meist betrunkenen, jeden abend Fußballschauenden Mann zu widersprechen. Sie tragen stets eine geblümte Schürze, verbringen den ganzen Tag nur mit Kochen, Windeln wechseln und in der Bibel lesen, und haben nicht die geringste Ahnung, dass es auch einen weiblichen Orgasmus gibt. Sie sind dumm, ungebildet und leben in der sogenannnten „Provinz“, was in Österreich „alles außer der Wiener Innenstadt“ bedeutet.

2) Knallharte, coole, wunderschöne, sexy, intelligente, emotional gefestigte, reife, starke, selbstbewusste, unabhängige, schlaue, hochgebildete, ehrgeizige Karrierefrauen. Diese Frauen sind ausnahmslos in kreativen, topbezahlten Bürojobs (meistens in der Marketing-Branche oder im Journalismus) tätig, tragen immer ein maßgeschneidertes Kostüm, und befinden sich stets in Konkurrenz mit anderen, die genauso ehrgeizig wie sie selbst sind, den nächst höheren Posten zu ergattern, damit sie dann noch mehr verdienen. Während sich die Mittel der anderen auf Mobbing, Intrigieren und mit dem Chef ins Bett gehen beschränken, versuchen sie selbst, ihre Ziele ausschließlich durch harte Arbeit und gute Ideen zu erreichen. In Österreich leben sie ausnahmslos in der Wiener Innenstadt, haben aber vor, so bald wie möglich nach Berlin zu ziehen.

Ich könnte noch viel länger weitermachen, aber das erübrigt sich sowieso. Einfach einer Diskussion zum Thema lauschen oder ein paar Artikel lesen, um die beiden Profile bis ins Unendliche zu erweitern. Es lebe der faulige Gestank der Ignoranz.

1 Kommentar:

fabbs.bazz hat gesagt…

nur eine frage der zeit, wann jemand versuchen wird, uns auch typ 1 als telenovela ins wohnzimmer zu kacken.

das ist das schlimme an diskussionen über ignoranz, (und die kinderdebatte ist imo eine solche): sie basieren auf ignoranz, und die ist bekannter maßen eine schlechte verhandlungsbasis.

wenn wirklich mal jemand eine lösung/antwort finden sollte, wird er noch immer schwieriger den job bekommen, sie aber dafür 20 % weniger verdienen.

so lakonisch das klingen mag: ich kann nur, gemäß deiner einleitung, zur ignoranz raten. nämlich gegenüber solcher diskussionen. irgendwann ist das alles vergessen, und es gibt eine fernsehsendung darüber.