Freitag, Mai 08, 2009

Misseu Hongdangmu / Crush and Blush / Miss Carrot (Lee Kyoung-mi, 2008)


Aus irgendeinem Grund sind mir so richtig durchgeknallte, exzentrische Frauen, die ihre Fehler und Schwächen gar nicht zu verstecken suchen, sondern geradezu neurotisch zelebrieren, furchtbar sympathisch. Deshalb ist wohl auch Ally McBeal meine All-Time-Lieblingsserie.

In dem koreanischen Film Miss Hongdangmu bekommen wir es mit einem Prachtexemplar dieser Gattung zu tun: Yang Mi-sook (Kong Hyo-jin) ist die unbeliebteste Lehrerin der Schule; sie ist nervös und hysterisch, errötet bei jeder Kleinigkeit und ist seit Jahren in ihren früheren Lehrer und mittlerweile Kollegen verliebt, der verheiratet ist. Als dieser sich an einer anderen, jungen Lehrerin interessiert zeigt, schließt Mi-sook, um dagegen vorzugehen, eine Allianz mit seiner Tochter Jong-hee - der unbeliebtesten Schülerin der Schule. Aus dieser Zweckgemeinschaft entwickelt sich bald eine Freundschaft - complications ensue.

Diese Art von Film steht und fällt natürlich mit der Hauptdarstellerin, und Kong liefert hier eine wirklich großartige Performance ab. Aber auch die Nebendasteller wissen zu begeistern; mir persönlich hat vor allem Lee Jong-hyeok als das männliche Objekt der Begierde gefallen - seine apathische, resignative Mimik im Zusammenspiel mit Mi-sooks extrovertiert-hysterischer Art sorgt immer wieder für herrliche Szenen.

Gegen Ende fällt der Misseu Hongdangmu leider ein bisschen in sich zusammen. Das Finale ist einfach too much und zieht sich ewig hin. Hier hätte man straffen und kürzen müssen. Trotzdem: Insgesamt bleibt der Film ein amüsantes, sympathisches und erfrischendes Erlebnis. Und wer noch nicht ganz überzeugt ist: Als Produzent und Co-Autor diente niemand anderer als Park Chan-wook, Regisseur von OldBoy und I'm A Cyborg, But That's Okay.

Hier noch ein sehr schöner Trailer.

Samstag, März 07, 2009

Watchmen


Ein paar Klarstellungen vorweg: Ich habe Watchmen gelesen; es ist allerdings schon wieder eine Weile her. Ich halte es für beeindruckend vielschichtig und habe Respekt davor, was es für das Medium Comics geleistet hat, würde mich aber nicht unbedingt als klassischen "Fan" bezeichnen. Eine Verfilmung des Werks halte ich grundsätzlich für ziemlich sinnlos, bin aber auch der Ansicht, dass Leute, die - in welchem Kontext auch immer - das Wort "unverfilmbar" verwenden, entweder das Medium Film unterschätzen oder eine zu enge Vorstellung vom Konzept des Adaptierens haben.

Watchmen allerdings ist genau das geworden, was man sich ausrechnen konnte, als Zack Snyder (300) als Regisseur bekanntgegeben und spätestens als der erste Trailer gezeigt wurde. Ein stylischer, unterhaltsamer Actionfilm, der sich den relativ gesehen uninteressantesten Aspekt des Buches hernimmt - den Plot - und ihn in die typische Blockbuster-Massenware einordnet. Das Ergebnis ist immer noch interessanter als viele andere Filme dieser Art, das ist aber zu hundert Prozent dem Ausgangsmaterial zu verdanken. Snyder fügt dem Film - ganz bewusst sogar - nichts hinzu außer ein paar Actionsequenzen mit reichlich Speedramping und Gore. Die Ecken und Kanten der Story wurden etwas geglättet, so wurde etwa Rorschach vom paranoiden Spinner zum neuen Idol für männliche Teenager gemacht. Dass es im Buch auch um die Hinterfragung von Gewalt, Selbstjustiz und Männlichkeitsphantasien geht, kommt jemandem wie Snyder natürlich nicht einmal in den Sinn (oder es ist ihm egal, weil er sein Zielpublikum kennt) - Oberflächenfetischismus statt Reflexion ist angesagt.

Snyder ist ein technisch begabter Durchschnittsregisseur ohne künstlerisches Talent, der exakt denselben massenwirksamen Inszenierungsstil, den er bei 300 verwendet hat, jetzt in Watchmen einsetzt, und sich bei allem, was über seinen intellektuellen Horizont hinausgeht, in seiner Ratlosigkeit einfach sklavisch an die Vorlage hält. Der Unterschied ist nur, dass 300 bereits als Buch ein stumpfsinniger, harmloser Spaß war. Aber Snyder würde wohl auch Art Spiegelmans Maus als ästhetisierte "badass"/"kickass"/"awesome"-Zeitlupen-Action verfilmen. Er kann (oder will) einfach nichts anderes, und es ist offensichtlich auch nicht nötig. Die "Fans" sind ja zufrieden.